08.03.2019

"Raus aus der Komfortzone": Erfahrungsberichte der Stipendiengewinner 2018

Als Botschafter der deutschen Sparkassen hinaus in die Welt ziehen, den Erfahrungshorizont erweitern und gleichzeitig das eigene Wissen weitergeben: Für neuen Stipendiate geht die Reise dieses Jahr los. Hier berichten ihre Vorgänger des Jahrgangs 2018 von ihren Eindrücken, Erlebnissen und Abenteuern in ihren Einsätzen in Projekten der Sparkassenstiftung.


Erfahrungsbericht Sascha Koziolek, Sparkasse Pforzheim Calw

Im Rahmen des Stipendienprogramms „Raus aus der Komfortzone“ durfte ich in 2018 für insgesamt sechs Wochen Zentralasien bereisen und die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation in Turkmenistan und Kirgistan tatkräftig bei der Umsetzung der dortigen Projekte unterstützen.

Von vornherein war klar, dass solch ein Projekteinsatz keinesfalls mit einem mehrwöchigen Urlaub im Ausland zu vergleichen sein würde. Genau das ist der Grund, weshalb ich das Stipendienprogramm jedem nur ans Herz legen kann. Die Erfahrungen die man macht, wenn man eben nicht nur im abgesteckten Urlaubsumfeld unterwegs ist, sondern sich voll und ganz auf die Kultur, die Menschen und den Arbeitsalltag in einem fremden Land einlässt, sind unbezahlbar. Es bereichert sowohl den persönlichen als auch den beruflichen Erfahrungsschatz ungemein.

Prägend war besonders die Erkenntnis, dass vieles, was man im Vorfeld über ein Land zu wissen glaubt oder was man sich anzulesen versucht, komplett hinfällig ist, wenn der Alltag vor Ort beginnt. Und dass uns Menschen auf der Erde viel mehr verbindet als uns trennt. Schon nach wenigen Tagen im Projektbüro wird klar, dass jeder ganz normal morgens aufsteht, frühstückt, zur Arbeit geht, die Mittagspause mit seinen Kollegen verbringt und abends nach dem Arbeitstag wieder den Heimweg antritt. Es sind genau die gleichen Routinen, wie ich sie hier Tag für Tag erlebe und selbst durchlaufe. Nur das Klima ist vielleicht ein wenig anders, oder die Kleidung, oder das Essen.

Der Projekteinsatz hat mich auch fachlich weitergebracht. Dass ich in meiner Heimatsparkasse im Fachbereich „Auslandsgeschäft“ unterwegs war und hierzu Vorlesungen und Seminare gegeben habe, war natürlich eine perfekte Kombination. So konnte ich in der intensiven Vorbereitungszeit auf den Auslandseinsatz mein fachliches Wissen nochmal auffrischen, um in den Wochen in Zentralasien alles parat zu haben. Aber auch die Erfahrungen mit fremden Kulturen, Arbeitsweisen und Bankmitarbeitern, die den gleichen Fachbereich betreuen wie ich, nur eben auf der anderen Seite der Welt, sind von unschätzbarem Wert.

Besonders wertvoll sind natürlich auch die Kontakte, die man während der Projektarbeit knüpft. Sowohl zu den Kollegen in den einzelnen Projektbüros als auch zu den Partnerorganisationen und Banken der jeweiligen Projekte. Auch jetzt noch besteht der Kontakt zu vielen Seminarteilnehmern, wenn es um einen fachlichen Rat oder einfach eine zweite Meinung zum Tagesgeschäft geht.

Für diese Möglichkeit bin ich umso dankbarer, da die Wege ins Ausland als Sparkassenmitarbeiter recht rar sind. Umso wichtiger ist es, neben dem allbekannten Regionalprinzip der Sparkassen, auch den wichtigen internationalen Beitrag hervorzuheben, denn die Sparkassenorganisation auf diesem Wege leistet. Ich kann jedem Einzelnen zu empfehlen sich dem Abenteuer zu stellen und seine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Mein klares Fazit für den Projekteinsatz lautet: „Jederzeit wieder!“.


Erfahrungsbericht Christina Göckede, Referentin im Vertriebscontrolling Sparkasse Bielefeld

In meinem Auslandseinsatz in Laos habe ich Einblick in die Mikrofinanzorganisation WFDF, insbesondere in das dortige Berichtswesen bekommen.

Während ich bei meinem Job als Referentin im Vertriebscontrolling bei der Sparkasse Bielefeld schon seit Jahren sehr routiniert Aufgaben bearbeite, musste ich mich in Laos erstmal in den Aufbau des Berichtswesens einarbeiten. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist auch mal „fünfe gerade sein zu lassen“ und sich von der gewohnten deutschen Struktur zu lösen, um Dinge und Problemstellungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Sehr beeindruckt haben mich die Gelassenheit und Fröhlichkeit der Menschen vor Ort. Auch dann, wenn nicht alles nach Plan läuft oder das Dorf aufgrund von starken Regenfällen und einem Dammbruch überflutet wurde. Für meine Arbeit in Deutschland habe ich versucht, auch ein Stück dieser Gelassenheit und Zufriedenheit mitzunehmen und bin wesentlich geduldiger geworden.

Der Einsatz in Laos war eine tolle Möglichkeit für mich, einen tiefen Einblick in eine fremde Kultur zu erlangen, und das durch den direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort viel intensiver, als es auf Reisen sonst möglich ist. Es war erstaunlich zu sehen, dass Kommunikation auch funktionieren kann, wenn man nicht die selbe Sprache spricht, da viele Laoten ausschließlich Phasa Lao sprechen. Hier gab es das ein oder andere Erfolgserlebnis.

Das Thema Digitalisierung beschäftigt nicht nur das Bankwesen in Deutschland, sondern es ist auch schon in Mikrofinanzorganisationen in Laos, Myanmar und Vietnam angekommen. Auch wenn die Problemstellungen von denen in Deutschland abweichen, war es doch interessant zu sehen, dass Digitalisierung weltweit einen hohen Stellenwert hat. Einen aktuellen Einblick bekam ich hier beim Regionaltreffen in Laos.

Sehr motivierend war es für mich direkt zu sehen, dass ich durch mein eingebrachtes Wissen etwas bewirken konnte. Zum Beispiel durch erhebliche Aufwandseinsparung durch Formeln in Excel statt manueller Eingabe bei der monatlichen Berichtserstellung.


Erfahrungsbericht Hans-Ulrich Müller, Unternehmenskundenbereich Frankfurter Sparkasse

Von Ende April bis Ende Juni 2018 habe ich das Ostafrikaprojekt der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation in Ruanda unterstützt. Neben Ruanda ist die Stiftung im Rahmen des Ostafrikaprojektes in Burundi, Tansania und Uganda aktiv. Ziel der Arbeit vor Ort ist es, den lokalen Mikrofinanzsektor zu stärken, zu professionalisieren und den Zugang zu Finanzdienstleistungen für die Bevölkerung zu verbessern.

Im Rahmen meiner Tätigkeit hatte ich die Möglichkeit, diverse Projektaufgaben zu unterstützen und teilweise sogar direkt mit den lokalen Partnerorganisationen zusammen zu arbeiten. Dabei reichten die Themenfelder von der Analyse des Geschäftsmodells und des Businessplans einer unserer Partnerorganisation über ein Teilprojekt zur Fusion lokaler Mikrofinanzinstitute zu größeren regionalen Einheiten bis hin zur Vorbereitung der Eröffnung eines neuen Projektbüros in Ostafrika.

Durch die Arbeit für die Sparkassenstiftung in Ruanda hatte ich die Möglichkeit, meine Erfahrungen in der Projektarbeit zu vertiefen, in einem interkulturellen Team zu arbeiten, mir einen umfangreichen Überblick über den Finanzsektor eines Schwellenlandes zu verschaffen und die Herausforderungen von Mikrofinanzinstituten bei der täglichen Arbeit zu erleben.

Mehr noch als den fachlichen Input möchte ich den menschlichen Aspekt hervorheben: Vielen geht es sicherlich wie mir vor gut 1,5 Jahren. Ruanda war mir nur aufgrund des Bürgerkrieges vor gut 25 Jahren bekannt. Doch dies wird dem Land bei weitem nicht gerecht. Die Entwicklung, die das Land seitdem gemacht hat, ist beachtlich und verdient größten Respekt. Das aktuelle Ziel der Regierung ist es, Ruanda vom Status eines Entwicklungslandes hin zu einem Schwellenland zu entwickeln. Die Bevölkerung habe ich sowohl in der Hauptstadt Kigali als auch bei meinen Reisen durch das Land als freundlich, zuvorkommend und lebensfroh wahrgenommen.

Dass Ruanda für das weitere wirtschaftliche Wachstum auch auf einen wachsenden Tourismus setzt, ist wenig verwunderlich. Obwohl es sich um ein vergleichbar kleines Binnenland handelt, hat es landschaftlich unheimlich viel zu bieten. Der Norden ist von einem Vulkangebierge, der Virunga-Kette, geprägt, in der die weltweit bekannten Berggorillas ihre Heimat haben. Im Westen erstreckt sich der Kivusee an der Grenze zum Kongo und im Süden findet man Regenwald vor. Der Akagera Nationalpark im Osten, der die kompletten „Big Five“ (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) beheimatet und sich von daher gut für eine Safari eignet, ist von einer weiten Steppenlandschaft geprägt.

Ich möchte mich auf diesem Weg ganz besonders bei den Kollegen der Sparkassenstiftung in Kigali bedanken, die mich vom ersten Tag an in ihrer Mitte aufgenommen und mir die Zeit in Ruanda extrem leicht gemacht haben.

Für mich persönlich kann ich behaupten, dass ich keine Sekunde meiner Zeit in Ruanda bereut habe und mich das „Afrika-Fieber“ gepackt hat.


Erfahrungsbericht Nadine Djordjevic, Vermögensberaterin Sparkasse Hochschwarzwald

Im September 2017 habe ich mich für einen Stipendienplatz bei der Sparkassenstiftung beworben. Wie jedes Jahr vergeben die Sparkassenstiftung und die Eberle-Butschkau-Stiftung zehn Stipendienplätze an „junge Nachwuchskräfte“. Ich hatte das große Glück, eine von den 10 „Auserwählten“ zu sein.

Ende Januar stand als Einsatzland El Salvador fest. Nachdem der erste Kontakt mit dem Projektleiter, Rolf Grempel, hergestellt war und die ersten Vorbereitungen starteten, wurde die Vorfreude immer größer. Im Koffer sämtliche Ideen und viele Praxis-Unterlagen für das Finanzkonzept, und voller Gedanken, wie es wohl werden würde, startete ich mit Neugier Ende März 2018 meine Reise.

Das Ziel meines Einsatzes war es, das nationale Team im Rahmen des Regionalprojekts Lateinamerika und Karibik dabei zu unterstützen, das Sparkassen-Finanzkonzept in einer adaptierten Form in El Salvador einzuführen. Dies sollte dort gemeinsam mit dem lokalen Projektpartner „FEDECRÉDITO“ unter dem Kürzel „Afii – Asesoría financiera individual e integral“ geschehen. Aufgrund meines beruflichen Hintergrunds, Vermögensberaterin bei der Sparkasse Hochschwarzwald, ist das Thema ganzheitliche Beratung im Rahmen des Finanzkonzepts mein „tägliches Brot“. Ich war schon zu Beginn sehr erfreut und neugierig, wie ich meine Erfahrungen in diesem Bereich in einem fremden Land mit einer fremden Kultur und an fremde Menschen weitergeben könnte.

Nach (leider nur) sechs Wochen in El Salvador bin ich sehr begeistert von der Projektarbeit. Ich hatte sowohl die Möglichkeit, viele schöne Momente mit den Menschen vor Ort zu erleben als auch meine eigenen Erfahrungen aus Deutschland an die sehr interessierten „Salvadoreños“ weiterzugeben. Ich durfte in einem sehr aufgeschlossenen, wissbegierigen und sehr gut strukturierten Team arbeiten. Das Team in El Salvador ist hoch motiviert und versucht immer wieder, neue Ideen in die Praxis umzusetzen. Ich war wirklich sehr überrascht von dieser „Ideenschmiede“ und davon, mit welch fester Überzeugung die Arbeit der Sparkassenstiftung, die Marke „Sparkasse“ in diesem Land und auch weltweit vertritt. Es bereitete mir eine große Freude, als Stipendiatin ein Teil dieses Teams gewesen zu sein.

Natürlich nicht zu vergessen unsere große Afii-Pyramdie, die nicht nur mich absolut überzeugt hat, sondern auch in jedem Meeting ein absoluter Blickfang war. Ganz abgesehen vom fachtechnischen Nutzeffekt, für die sie ja letztlich hergestellt wurde. Meiner Meinung nach sollte in jeder „Sparkasse“ solch eine Pyramide stehen. Neben der Arbeit mit FEDECRÉDITO, den Produktentwicklungen und der Implementierung von Afii hat mich die Arbeit mit den Jugendlichen begeistert. Direkt bei den jungen Menschen etwas zu bewegen, mein Wissen zu vermitteln, Hoffnung und eine Vision weitergeben zu können, war für mich ein großer Traum, der hier in El Salvador endlich wahr geworden ist.

Für mich ganz persönlich, und ich gehe davon aus, dass ich hier für fast jeden Stipendiaten sprechen kann, konnte ich meine Flexibilität und Spontanität weiter ausbauen und die lateinamerikanische Gelassenheit ein Stück weit nach Deutschland bringen. Die Kunden der Sparkasse Hochschwarzwald haben meinen Einsatz sehr positiv bewertet und schätzen die weltweite Projektarbeit der Sparkassenstiftung sehr. Kurz gesagt: Über jeden Tag, den ich gemeinsam mit dem Team der Sparkassenstiftung erleben durfte, bin ich sehr dankbar. Ein Traum wurde durch das Stipendienprogramm wahr.


Erfahrungsbericht Siegfried Lang, Leiter Beratungscenter Sparkasse Bodensee

Georgien ist für viele von uns ein eher weniger bekanntes Land. Umso interessanter, wenn man dort beruflich wie privat Erfahrungen sammeln kann. Als ich im Herbst 2017 die Ausschreibung der Sparkassenstiftung für das Stipendienprogramm mit der Eberle-Butschkau-Stiftung las, reizte mich das sofort. Ich sah eine optimale Gelegenheit, meine bisherigen Erfahrungen aus Studium und Beruf in einem neuen Kontext einzubringen und gleichzeitig meine interkulturellen Kompetenzen zu stärken. Also bewarb ich mich auf einen der zehn begehrten Plätze.

Obwohl meine Wunsch-Einsatzregion eigentlich eher Südostasien war, bin ich letztlich sehr dankbar, dass es Georgien wurde. Dort war ich in 2018 für sechs Wochen als Kurzzeitberater eingesetzt und habe die Projektarbeit der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation vor Ort unterstützt.

Das Land

Georgien hat eine weitgehend funktionierende Infrastruktur. Das Land will sich in Richtung europäischer Standards entwickeln, beziehungsweise hat diese in Teilen bereits umgesetzt. Die Hauptstadt Tiflis (Tbilisi), welche deutlich fortschrittlicher wirkt als der Rest des Landes, ist nur vier Flugstunden von Deutschland entfernt. Georgien gilt als Geburtsland des Weines, bietet außerordentlich gutes Essen, Visafreiheit und freundliche, in vielerlei Hinsicht gebildete Menschen. Ergänzt wird dies durch eine vielfältige Landschaft, Kultur und ein mildes Klima. Das Land liegt zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa, zwischen Kaukasus-Gebirge und schwarzem Meer.

Die ehemalige Sowjetrepublik zwischen Russland und der Türkei hat an manchen Stellen durchaus größeren Entwicklungsbedarf, weswegen die Sparkassenstiftung sich dort engagiert. So besitzen beispielsweise nur rund 60 Prozent der Georgier ein Konto, die meisten haben keine Ersparnisse, mehr als die Hälfte der Menschen ist dafür verschuldet.

Der größte Unterschied im Vergleich zu Deutschland ist sicherlich die fehlende Absicherung für den Kriesenfall sowohl auf staatlicher als auch auf privater Ebene. Es gibt kaum Puffer durch Sparrücklagen, wenig verlässliche Einkommensquellen, kaum Versicherungen und nur geringe staatliche Rentenleistungen. Auch das Gesundheitssystem bietet in weiten Teilen nur eine Grundversorgung. Krisen und unerwartete, schicksalhafte Ereignisse treffen die Menschen daher oft hart, z.B. ein Kind mit Behinderung, der Tod des Ernährers oder kranke oder alternde Familienmitglieder. Verschärft wird dies durch die bereits zuvor erwähnte hohe Arbeitslosigkeit.

Die Projekte der Sparkassenstiftung setzen genau hier an und versuchen, durch Weitergabe von Wissen und Aufbau von zielführenden Strukturen langfristige Unterstützung zu bieten. Gleichzeitig soll damit das Vertrauen in Banken erhöht werden.

Die Georgier sind ein Volk von Hedonisten, so wurde mir oft gesagt. Das lässt die oben genannten Probleme zumindest in der Außenwahrnehmung deutlich verblassen. Sie versuchen trotz allen Schwierigkeiten, wann immer es geht, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Kombiniert mit der langen Weinbautradition entfaltet sich vielerorts, insbesondere bei Feierlichkeiten und besonderen Anlässen, eine heitere, fast unbekümmerte Stimmung. Dies fiel mir besonders im Vergleich zum Nachbarland Armenien auf.

Der Auftrag

Mein ursprünglicher Auftrag lautete, im Rahmen des Projekts „financial education“ die relevanten Materialien des deutschen Sparkassen-Schulservices zu sichten, zu strukturieren und eine Zusammenfassung der Inhalte auf englisch zu verfassen. Das Ergebnis sollte anschließend der georgischen Zentralbank, dem lokalen Projektpartner der Stiftung, vorgestellt werden. Diese wird die Materialien, in Zusammenarbeit mit dem georgischen Bildungsministerium, den Lehrern auf einer bereits bestehenden Online-Plattform zugänglich machen. In einer zweiten Stufe sollen diese dann im Lehrplan verankert sowie in Schulbücher integriert werden.

Des Weiteren sichtete ich das Konzept zur Qualitätssicherung von Bankberatungen durch Testkäufe. Dieses sollte in Zusammenarbeit mit den Experten vor Ort optimiert und weiterentwickelt werden. Ein regelmäßiges System an Testkäufen wurde bisher nicht in Georgien implementiert. Institutionen, vergleichbar mit der deutschen Stiftung Warentest, gibt es nicht.

Darüber hinaus wirkte ich in Armenien im Projekt „Business Education“ mit. Dieses Projekt beschäftigt sich mit der finanziellen Bildung von Geschäftsleuten in KMU´s (kleine und mittelständige Unternehmen).

Einige Einblicke

Mein Aufenthalt wurde von der georgischen Projektbüroleiterin der Stiftung organisiert. Ich bekam vorab per Mail Links mit Airbnb-Wohnungen und konnte Wünsche äußern, selbst eine georgische SIM-Karte lag bereits für mich parat. In einem Skype-Call haben wir vorab weitere Details des Aufenthalts besprochen. Insgesamt hatte ich während des Einsatzes viele Freiräume, was in anderen Ländern schon aus Sicherheitsgründen oder wegen noch größerer Sprachbarrieren gar nicht möglich gewesen wäre.

Nach meiner Ankunft in Tiflis wurde ich vom Fahrer des Büros frühmorgens um 04:30 Uhr am Flughafen in Empfang genommen und zu meiner Wohnung gebracht. Die Lage der Unterkunft konnte besser nicht sein, drei Gehminuten zum Büro, direkt in einem neu gebauten Haus mit modernem Co-Working-Space und rund um die Uhr geöffnetem Supermarkt im Erdgeschoss. Mein erster und unerwarteter Eindruck: Die Stadt kann durchaus mit Amsterdam oder Stockholm mithalten.

Am nächsten Morgen wurde ich um 10:00 Uhr von Salome und dem Fahrer abgeholt und ins Büro gefahren. Die Kollegen haben sich sehr über die mitgebrachten Geschenke aus der Bodenseeregion gefreut und mir das Büro gezeigt. Es wirkte sehr gemütlich, in einem Hinterhof im dritten Stock gelegen.

Recht schnell konnte ich mich dann selbständig an die Arbeit machen. Ich war, trotz meinen Stadterkundungen und dem Austausch mit Kollegen vor Ort, schneller mit der Erstellung der Präsentation für die Zentralbank fertig, als gedacht.

Bereits am Ende der zweiten Woche konnte das Ergebnis gemeinsam mit Salome in der Zentralbank präsentiert werden. Das Gebäude der Public-Service-Hall in Tiflis, in der auch die Zentralbank untergebracht ist, wirkt sehr futuristisch und steht, zusammen mit vielen modernen Gebäuden der Neuzeit in starkem Kontrast zu teils sehr baufälligen, älteren aber charmanten Bauwerken. Die öffentliche Verwaltung und Polizeidienste wirken hinsichtlich Gebäude, Austattung und der angebotenen Leistungen moderner als wir das häufig in Deutschland vorfinden. Dies ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass zu Beginn der 90er Jahre hier in gewisser Weise eine Stunde Null eingeläutet wurde. Viele Unternehmen, große Weinvertriebe, Banken, kaum eine Institution ist älter als 30 Jahre.

Ich konnte im tifliser Büro sehr selbständig arbeiten. Die vielen Pausen, die in georgischen Büros üblich zu sein scheinen, boten sich an, um den interkulturellen Austausch zu pflegen. Am schwersten fiel mir dabei, dass es für Pausen keine Regel zu geben schien. Mal war die Mittagspause um 13.00 Uhr, mal um 15.30 Uhr, mal wurde gemeinsam gegessen, mal aß jeder für sich. Die Mittagspause von anderen Pausen zu unterscheiden, glich ebenfalls einer Herausforderung. Plötzlich ging einer nach dem anderen in die Küche, es wurde lauter und man hörte Geschirr. Dann konnte ich ahnen, dass nun Mittagspause war und folgte unauffällig. Mir ist es andererseits auch passiert, dass gerade ein Meeting in der Küche vorbereitet wurde, das mit mir dann gar nichts zu tun hatte und sich nur wie eine Pause anhörte. Ich akzeptierte das im Laufe der ersten Tage einfach als georgische Eigenart und nahm es gelassen hin.

Ein Treffen am Ende meiner ersten Woche mit Frau Deinzer, der Regionalkoordinatorin für Projekte der Stiftung in Armenien, Aserbaidschan, Georgien, der Ukraine und dem Iran war sehr interessant und fruchtbar. Sie war früher im Vorstand einer norddeutschen Sparkasse und koordiniert seit 2014 die Projekte der Sparkassenstiftung in den genannten Ländern von ihrem Büro in Tiflis aus. Viele interessante Hintergrundinformationen und ein Erfahrungsaustausch zu den Einstellungen der Menschen in Georgien, den unterschiedlichen Arbeitsweisen in den von Ihr betreuten Ländern und vor allem Einblicke in das neue Projektland Iran waren Gegenstand dieses Treffens. Sie bestätigte auch meinen Eindruck über die georgische Arbeitsweise, was mich dabei half, Verhaltensweisen besser einzuordnen und verstehen zu lernen. Projektarbeit gestaltet sich dort beispielweise so, dass sich alle ganz viel Zeit lassen, um am Ende unter großem Stress schnell fertig zu werden. So wechseln sich lange Zeiten eher gelassenen Arbeitens mit Tagen großer Hektik ab.

Am darauffolgenden Wochenende unternahm ich einen privaten Trip in die armenische Hauptstadt Jerevan. Nach einer fünfstündigen Minibusfahrt (mit bester-WLAN-Empfang) über abenteuerliche Straßen und durch faszinierende Landschaften erreichte ich Jerewan. Freilaufende Tiere aller Art, auch auf vielbefahrenen Straßen, sind in Armenien und Georgien keine Seltenheit. Ich staunte immer, wie ungerührt und selbstverständlich die Fahrer darauf zusteuerten. Unfälle, egal ob mit Menschen oder Tieren habe ich erstaunlicherweise nie gesehen. Viele Menschen auf dem Land sind Selbstversorger, große Gärten hinter den Häusern, ein paar Tiere, die gehütet werden und einfache Verkaufsstände an den Straßen erinnern an Szenen, die es so sicher früher auch in Europa häufig gab.

In Jerewan traf ich als erstes die deutsche Landesbeauftragte im dortigen Stiftungsbüro. Der Rest des Wochenendes war dann zur Erkundung von Jerewan und Umland reserviert. Die einfachsten Dinge waren dabei oft die besten, z.B. selbstgebackenes Lavash, ein dünnes Fladenbrot im einfachen Lehmofen gebacken und mit frischem Käse und Kräutern belegt. Da es sich um das Osterwochenende handelte, konnte ich außerdem zwei Mal und auf unterschiedliche Weise Ostern feiern, denn im orthodoxen Georgien waren die Feiertage eine Woche später.

Weitere Touren führten mich in die georgische Region Kachetien, dem mit über 7.000 Jahren Weinbautradition vermutlich ältesten Weinanbaugebiet der Welt. Mit dem Zug ging es an die Schwarzmeerküste nach Batumi und mit einem Allradfahrzeug ins Kaukasusgebirge. Tolle Menschen, teils tief verwurzelt in orthodoxem Glauben, einfachstes Dorfleben mit vielen Tieren, in den Gärten nicht selten Klohäuschen ohne fließendes Wasser standen dabei in Kontrast zu teils futuristischen Bauten, in perfektem englisch sprechenden Menschen und kreativen, hippen Restaurants in Tiflis. Für mich, mit europäischem Geldbeutel, war Georgien, insbesondere Tiflis beinahe ein Schlaraffenland, da das Preisniveau natürlich den Einkommensverhältnissen entspricht.

Immer wieder musste ich mir bei der Arbeit in Tiflis bewusst machen, dass ich das weitgehend moderne Hauptstadtleben wahrnehme, meine Arbeitsaufträge dagegen einem anderen, rückständigeren Landesteil gelten. Ich habe während meines Aufenthaltes selten unzufriedene Menschen und -im Verhältnis zur finanziellen Situation- wenig bedrückende Armut wahrgenommen. Das Leben ist häufig sehr einfach, meist noch tief religiös und von Traditionen wie auch familiären Zwängen geprägt. In etwa so dürfte sich die jüngere europäische Vergangenheit angefühlt haben, hier aber ergänzt um Smartphones, WIFI-Netzwerk und Autos.

Alles in Allem war es eine spannende Erfahrung, für eine begrenzte Zeit im „außereuropäischen“ Ausland arbeiten zu können. Ich bin sehr dankbar, dass die Sparkassenorganisation mit solchen Erfahrungen neben dem „act locally“ auch „think globally“ ermöglicht. Über den Tellerrand zu blicken ist mir schon immer ein Anliegen gewesen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich solche Projekte auch für die Sparkassenorganisation langfristig auszahlen werden, denn Lernen und Wissensvermittlung ist niemals eine Einbahnstraße.


Erfahrungsbericht Tobias Trollst, Sparkasse Essen

Mein Einsatz führte mich nach Sambia, wo ich die Kollegen der Sparkassenstiftung im Projekt zur Stärkung der finanziellen Grundbildung unterstützte. Das Interesse der Sambier an finanzieller Bildung ist hoch. Business Game Trainings der Stiftung zum Thema sind innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. Da die Stiftung auch selbst vor Ort ausbildet, gibt es ausreichend engagierte und motivierte Business Game-Trainer, die über ein breites Netzwerk an lokalen Stakeholdern verfügen.

Wie in vielen anderen Projektländern, hat die Stiftung auch in Sambia den Weltspartag eingeführt. Mit diesem konnte im Jahr 2018 die Zielgruppe, nämlich Schüler und Studenten, erfolgreich angesprochen werden. In den nächsten Jahren soll auch die junge „breite Masse“ stärker erreicht werden.

Der Auslandseinsatz hat mich fachlich und persönlich weitergebracht. Aus fachlicher Sicht konnte ich mich im Hinblick auf das Projektmanagement weiterentwickeln. Die Planung rund um den Weltspartag 2018 war eine spannende Herausforderung. Die unterschiedlichen Interessen, der im Prozess beteiligten Akteure miteinander in Einklang zu bringen, war dabei die entscheidende Herausforderung. Durch meine Erfahrungen im Personalbereich, die ich aus meiner Heimatsparkasse mitbrachte, habe ich mich auch gewinnbringend in den Einstellungsprozess für neues Personal einbringen können. Außerdem konnte ich mir vor Ort ein Bild von den unterschiedlichsten Trainings machen, die es im Bereich der finanziellen Bildung gibt.

Aus persönlicher Sicht konnte ich mich im Hinblick auf meine interkulturelle Kompetenz weiterentwickeln. Hier sind zwischenmenschliche Herausforderungen in Bezug auf Pünktlichkeit und Termintreue zu nennen. Der durchschnittliche Sambier bietet grundsätzlich seine Hilfe an, tut sich im Bedarfsfall dann allerdings etwas schwer in puncto Zuverlässigkeit. An dieser Stelle sei abschließend auf meinen Blog (tobiasgoesbrazil.wordpress.com) verwiesen, der vor allem auch interkulturelle Erfahrungen und zwischenmenschliche Erlebnisse beschreibt.


Erfahrungsbericht Anna Latef, Kreissparkasse Bersenbrück

Seit meinem Ausbildungsbeginn im Jahre 2000 hat sich die Bankenwelt stark verändert. Während wir uns in unserem Arbeitsalltag heute zunehmend mit Themen wie Serviceabbau, Filialschließung und Digitalisierung beschäftigen, habe ich mich gefragt, wie ein Bankarbeitstag in anderen Teilen der Welt aussieht. Welche Herausforderungen und Themen sind dort wichtig?

Als ich die Ausschreibung der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation in Zusammenarbeit mit der Eberle-Butschkau-Stiftung für das Stipendium „Raus aus der Komfortzone“ sah, schlug mein Herz direkt höher, denn ich witterte die Chance, meinen lange gehegten Wunsch nach einem Austausch auf internationaler Ebene in einem professionellem Rahmen umzusetzen. Ich hatte großes Glück als Stipendiengewinnerin nach Kirgisistan gehen zu dürfen.

Trotz der Herausforderungen, auf die ich im Zuge der Vorbereitungen auf die Reise sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext gestoßen bin, hat sich meine Aufregung und Begeisterung für das Projekt nur noch gesteigert. Die Chance, aus der eigenen Komfortzone auszutreten und Erfahrungen auf internationale Ebene zu sammeln, wird einem nicht jeden Tag geboten. Leider ist es nicht üblich und vielen Mitarbeitern der Sparkassenfinanzgruppe auch nicht möglich, für einen begrenzten Zeitraum im Ausland zu hospitieren.

Die Herausforderungen in Kirgisistan haben mich persönlich sehr geprägt. Die Tatsache, dort auf mich allein gestellt zu sein, den Berufsalltag in einer anderen Sprache (Russisch) zu meistern, hat nicht nur meine Sprachkenntnisse erweitert, sondern auch meinen Horizont. Während meines Aufenthalts hatte ich Gelegenheit, im Auftrag einer kirgisischen Bank in unterschiedlichen Filialen als Testkäuferin zu agieren. Dieser Rollentausch war sehr interessant: Wie fühlt man sich als Kunde? Was fällt einem auf, wenn man auf der anderen Seite des Beratungstisches sitzt? Hierbei hatte ich auch die Gelegenheit meinen eigenen Berufsalltag zu reflektieren und zu optimieren. Ein Wechsel der Perspektive hilft, die eigenen (manchmal eingefahrenen) Strukturen neu zu definieren. Im Rahmen der Feedbackgespräche zu den von mir durchgeführten Testkäufen konnte ich wertvolle Hinweise aus meiner langjährigen Berufserfahrung als Kundenberaterin geben.

Gerade als Individualkundenberaterin kommt man im eigenen Kundekreis oft in Kontakt mit Menschen, die beruflich international aufgestellt sind. Auch gesellschaftlich entwickeln wir uns immer mehr zu einer multikulturellen Gesellschaft. Von daher finde ich die Erfahrungen, die ich durch mein Auslandsstipendium gemacht habe, wichtig und wünsche mir, dass auch andere davon profitieren können. Toleranz, Weltoffenheit und internationale Kompetenz kann man nicht theoretisch lernen, sondern durch praktische Erfahrungen.

Kirgisistan hat viel zu bieten. Neben der unglaublich schönen Natur haben mich die Toleranz und Offenheit der Menschen dort beeindruckt. Ich habe viele nette Gespräche geführt und immer wieder die positive Resonanz auf uns Deutsche und auf Deutschland im Allgemeinen erfahren. Die Mitarbeiter der Sparkassenstiftung vor Ort in Bischkek haben mich sehr herzlich aufgenommen und mein Aufenthalt war bestens organisiert.

Ein besonderes „Aha-Erlebnis“ hatte ich bei der Vorbereitung Weltspartags als mir bewusst wurde, wie das in Deutschland so beliebte Sparschwein in einem muslimisch geprägten Land wirkt. In Kirgisistan sparen die Kinder ihr Geld in einer Jurte.

Ich habe mir vorgenommen in meinem Beratungsalltag in Deutschland multikulturelle Skills aufzunehmen oder einfach immer wieder in Gedächtnis zu rufen, um alle meine Kunden bedarfsgerecht und individuell zu beraten. Ich möchte mich bei der Sparkassenstiftung und bei der Eberle-Butschkau-Stiftung für dieses großartige Stipendium bedanken. Ich hoffe, dass auch in Zukunft viele Mitarbeiter der Sparkassenfinanzgruppe diese Gelegenheit ergreifen können und sich den Herausforderungen eines Auslandsstipendiums stellen.

Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V.
Simrockstraße 4, 53113 Bonn

Telefon: 0228 9703-0
Fax: 0228 9703-6613 oder -6630

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