28.09.2016

Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit: Der Sparkassenverband Baden-Württemberg und die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation fördern den Aufbau einer Mikrofinanz-Akademie in Burundi


Die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg fördert das Projekt der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation zum Aufbau einer Mikrofinanz-Akademie in Burundi mit 130.000 Euro und Experten-Knowhow.

Ziel des Projektes ist es, den Mikrofinanzsektor in Burundi zu professionalisieren und zu stabilisieren. Damit soll in kleinen Schritten die Basisversorgung der Bevölkerung mit Kredit-, Spar- und Versicherungsprodukten in einem der ärmsten
Länder der Welt verbessert werden.

Sparkassenpräsident Peter Schneider: „Dieses Projekt ist ein wichtiger Beitrag, um die vielfältigen Fluchtursachen durch Lösung der Probleme vor Ort an den Wurzeln zu packen. Mit kleinsten Krediten erhalten viele Menschen in Burundi
eine Perspektive für ein selbstständiges Leben.“

Eine der Ursachen der Armut ist, dass viele Menschen keinen Zugang zu Investitionskapital haben. Landwirte können Felder nicht bestellen, weil sie sich kein Saatgut leisten können. Näherinnen fehlen die Mittel, um Stoffe einzukaufen. Schreiner und Zimmerleute können ihrem Handwerk nicht nachgehen, weil ihnen
das notwendige Werkzeug fehlt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie im konventionellen Banksystem keinen Kredit erhalten, wenn sie keine Sicherheiten und kein festes Gehalt vorweisen können – in der Folge können sie aber auch nichts erwirtschaften. Diese Armutsspirale zu durchbrechen, ist das Ziel der Mikrofinanz.

Kleinstkredite gehören heute zu den wichtigsten Instrumenten der Entwicklungszusammenarbeit.
Sie bieten Menschen die Chance, sich nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ als Handwerker, Bauern oder Händler eine Existenz aufzubauen. Die Kredite werden dabei meistens an Frauen vergeben, weil sie oft die Versorgung der Familien sicherstellen und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld gewährleisten. Zudem gibt es zwei Besonderheiten, die dazu führen, dass Mikrokredite sehr zuverlässig zurückgezahlt werden: Zum einen erhalten Kreditnehmer
zunächst nur Kredite im Gegenwert von rund 25 Euro. Erst wenn sie diese zurückgezahlt haben, sind Kredite von 50 Euro, später auch 100 Euro möglich. Zum anderen werden die Kredite nicht an Einzelne, sondern an kleine Gruppen von etwa fünf Personen vergeben: Sie haften füreinander, vor allem aber erhalten andere Gruppenangehörige erst dann einen Kredit, wenn der erste zurückbezahlt wurde.

Nach aktuellen Schätzungen konnten durch das Konzept der Mikrofinanz, für das Muhammad Yunus als einer der Gründerväter mit der Grameen Bank in Bangladesh im Jahr 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, weltweit bereits rund 100 Millionen Menschen aus der Armutsfalle befreit werden. Das Konzept hätte noch viel Potenzial, jedoch fehlt es oft an finanziellen Mitteln: Die Nachfrage nach Krediten ist viel höher als das Kapital, das durch Spareinlagen hereinkommt. Und von den internationalen Märkten können Mikrofinanz-Institute nur dann Geld erhalten, wenn sie einen hohen Grad an Sicherheit und Professionalität erreicht haben – und dazu ist die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter der zentrale Schlüssel.

Die Mikrofinanz-Akademie in Burundi

An diesem Punkt setzt das Projekt der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg und der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation an: Gemeinsam mit dem Mikrofinanzverband Réseau des Institutions de Microfinanceau Burundi (RIM) bauen die beiden Organisationen seit 2012 in Bujumbura, der Hauptstadt Burundis, eine Bildungsakademie für Mikrofinanz-Mitarbeiter auf.

Das ostafrikanische Land Burundi ist einer der kleinsten Staaten Afrikas. Auf einer Fläche, die etwa 3/4 der Fläche von Baden-Württemberg umfasst, leben über 10 Millionen Einwohner. Das Land zählt zu den drei ärmsten Ländern
der Welt: Mehr als 60 Prozent der Einwohner müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Im internationalen Sicherheitsranking steht das Land auf einem der letzten Plätze – noch hinter Afghanistan.

In Burundi gibt es bereits ein funktionierendes, flächendeckendes Mikrofinanzsystem mit 33 Mikrofinanz-Institutionen unterschiedlicher Größe und Organisationstruktur. Sie sind im Mikrofinanzverband RIM zusammengeschlossen, der das
Problem mangelnder Qualifikation und Ausbildung erkannt hat und aktiv angeht. Um Schulungen und bessere Trainings zu ermöglichen, wurde der Aufbau einer Bildungsakademie beschlossen, die nun als Gemeinschaftsprojekt umgesetzt
wird. Künftig sollen hier zentrale Schulungsinhalte wie eine verbesserte Kundenberatung, Risikomanagement oder Financial Reporting vermittelt werden.

Die Planung und Koordination für die Akademie liegt in den Händen von Adams Sinarinzi, der als lokaler Angestellter der Sparkassenstiftung von der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg mitfinanziert wird. Sinarinzi wurde 1986 in Burundi geboren. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Uganda war er acht Jahre im Mikrofinanzsektor in Burundi tätig. Er stellt eine große Bereicherung für das Projekt dar, weil er sich trotz der derzeit schwierigen Rahmenbedingungen im Land mit größtem Engagement einbringt und die Umsetzung der Projektziele vorantreibt.

Der Schulungsbetrieb der neuen Akademie hat bereits begonnen. Weil das künftige Akademiegebäude noch umgebaut werden muss, finden die Schulungen derzeit in angemieteten Räumen statt.

Unterstützung durch zwei Experten aus Baden-Württemberg

Unterstützt werden Adams Sinarinzi und die Partnerorganisation RIM in ihrer Arbeit von den Mitarbeitern der Sparkassenstiftung vor Ort sowie von Julia Peylo und Prof. Dr. Dieter Gramlich, die als Experten für Projektmanagement, finanzwirtschaftliche Bildung und Marketing von der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg nach Burundi entsandt werden. Seit 2014 waren die beiden bereits dreimal vor Ort in Bujumbura. Dabei wurden durch die beiden Experten zentrale Instrumente wie ein Finanz- und Businessplan, ein Marketingkonzept sowie ein Konzept für das Qualitätsmanagement entwickelt.

„Unsere wichtigste Aufgabe ist eine stabile und sichere Versorgung der Bevölkerung mit Mikrofinanzprodukten“, erklärt Adams Sinarinzi das übergeordnete Ziel des Projekts. „Dafür brauchen wir besser geschulte Mitarbeiter, die einen
professionellen Betrieb der Mikrofinanz-Institute sicherstellen. Genau hier setzt die Arbeit der neuen Akademie an, und wir freuen uns sehr über die tatkräftige Unterstützung aus Deutschland.“

Das Engagement der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg

Die Unterstützung für das Projekt der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation war von Seiten der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg zunächst auf drei Jahre angelegt. Der Vorstand des Sparkassenverbands
Baden-Württemberg hat heute, am 27. September 2016, beschlossen, es für zwei weitere Jahre – also bis Mitte 2019 – weiterzuführen.

„Das Engagement der Sparkassen in Baden-Württemberg und unserer Verbundpartner LBBW, LBS und SV steht vor dem Hintergrund der Partnerschaft des Landes Baden-Württemberg mit Burundi“, so Sparkassenpräsident Peter Schneider. „Als diese Partnerschaft 2014 geschlossen wurde, haben wir gerne auch das Projekt unterstützt, das die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation in Burundi bereits 2012 gestartet hatte. Dieses Projekt ist ein wichtiger Beitrag, um die vielfältigen Fluchtursachen durch Lösung der Probleme vor Ort an den Wurzeln zu packen. Mit kleinsten Krediten erhalten viele Menschen in Burundi eine Perspektive für ein selbstständiges Leben“, so Schneider.

Insgesamt hat die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg bisher rund 90.000 Euro zu dem Projekt beigetragen. Mit der heutigen Entscheidung des Verbandsvorstands wurden weitere 40.000 Euro freigegeben. 150.000 Euro stammen aus eigenen Mitteln des RIM, rund 100.000 Euro werden durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit bereitgestellt.

Unsicherheit in Burundi

Einen bitteren Schlag musste das Projekt in Burundi 2015 hinnehmen. Nach den Wahlen im Sommer 2015 kam es im ganzen Land zu schweren Unruhen. Im November wurde der Präsident des Projektpartners RIM, Cyprien Ndayishimiye,
erschossen. Der Mikrofinanz-Experte hinterließ eine Familie mit fünf eigenen Kindern und drei adoptierten Bürgerkriegswaisen. Die Mitarbeiter der Stiftung und des Projekts mussten zeitweise aus Sicherheitsgründen ins Nachbarland Ruanda evakuiert werden. Inzwischen hat sich die Lage wieder etwas beruhigt.

Die Arbeit der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation

Die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation ist seit 1992 im Auftrag der Sparkassen-Finanzgruppe rund um den Globus aktiv und macht das Wissen und die Erfahrungen der deutschen Sparkassen in Entwicklungs- und Transformationsländern verfügbar. „Die Professionalisierung der lokalen sparkassenähnlichen Mikrofinanz-Institute durch zielgerichtete Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter ist dabei ein bewährtes Konzept“, so Niclaus Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung. „Dabei hat sich der Aufbau geeigneter Bildungseinrichtungen besonders bewährt. Es wurde bereits im Nachbarland Ruanda und in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt.“

Aktuell betreut die Sparkassenstiftung 30 Projekte in 44 Ländern.
Der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung ist seit 2012 der ehemalige deutsche und baden-württembergische Sparkassenpräsident Heinrich Haasis.

 

Lesen Sie hier den Beitrag des SWR zur Veranstaltung.

Einen Beitrag zum Thema aus der Sparkassenzeitung Online finden Sie hier

Einen Youtube-Beitrag über das Engagement des Sparkassenverbands Baden-Württemberg und der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation in Burundi finden Sie hier


weitere Informationen für Journalisten:

Stephan Schorn
Pressesprecher Sparkassenverband Baden-Württemberg
Am Hauptbahnhof 2, 70173 Stuttgart
Telefon: 0711 – 127 – 77390
Handy: 0172 – 3 63 80 24
E-Mail: stephan.schorn--at--sv-bw.de

 

Ansprechpartner Sparkassenstiftung:

Annika Peukert / Carina Lau
Sparkassenstiftung für internationale Kooperation
Simrockstraße 4
53113 Bonn

Tel.: +49 228 9703 6622 / 6608
Fax: +49 228 9703 6613


Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V.
Simrockstraße 4, 53113 Bonn

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Fax: 0228 9703-6613 oder -6630

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