Leben und Arbeiten in Zeiten von Corona: Innovative Seminar-Konzepte in Usbekistan

Im Zeitalter der Digitalisierung und erst recht aktuell während der Corona-Pandemie sind Webinare ein beliebtes und stark genutztes Format in der Durchführung von Bildungsveranstaltungen. Was aber, wenn man Regionen erreichen will, in denen kein ausreichend funktionsfähiges Internet zur Verfügung steht? Was, wenn wir mit und für junge Menschen etwas bewegen wollen, die sich aus materiellen Gründen vielleicht auch die notwendige technische Ausstattung nicht leisten können?

Praxisnahe Situationen nachstellen: Hier eine Szene aus einem „Bankgespräch“. Ein Teilnehmer präsentiert unserem Experten vor Ort, Mathias Wangler (Mitte), seinen zuvor erstellten Businessplan. Alle anderen Teilnehmenden verfolgten das Gespräch mit Spannung.

Mathias Wangler, Langzeitexperte der Sparkassenstiftung in Usbekistan (rechts): „Die Thematik „Corona-Schutz“ genoss bei diesem Feld-Seminar höchste Priorität. Ein Mitarbeiter des Teams war vor Ort ausschließlich dafür abgestellt. Es wurde immer wieder desinfiziert. Auch auf den Abstand der Teilnehmer wurde geachtet. Da die Teilnehmer (30 mit jeweils 1,5 m Abstand) in zwei Reihen einen gewissen Raum in Anspruch nahmen, wurde verabredet, dass ich während des Sprechens die Maske nach unten ziehe und nach Sprechpausen sofort wieder schließe. Mit Blick auf den Abstand zu den Teilnehmern und vorhandene Nebengeräusche im Freien (zeitweise Feldarbeit) war es zwingend notwendig, dass ich als Hauptakteur sehr laut und deutlich verständlich spreche.“

Diese und weitere Fragen stellten sich dem Projekt-Team in Usbekistan nun aktuell bei der Umsetzung von Schulungsmaßnahmen für interessierte Jugendliche in sehr ländlichen Regionen des zentralasiatischen Landes. Dort gibt es – im Rahmen eines Projektes zur Stärkung des Agrarsektors und zur Förderung der ländlichen Entwicklung – staatliche Programme für junge Menschen, die kleine Landstücke zugeteilt bekommen, um sich im Agrarbereich eine eigene Existenz aufzubauen.

Dazu benötigen diese jungen Existenzgründer aber vor allem Kenntnisse zu wirtschaftlichen Abläufen und zum Umgang mit Finanzen. Das Projekt-Team in Usbekistan hat hierzu die Idee von „Feld-Seminaren“ kreiert und mit staatlicher Genehmigung umgesetzt. Am 11. und 12. Juni 2020 fand das erste Seminar dieser innovativen Art im abgelegenen Bezirk „Quyichirchiq“ statt. Dies ist eine Region im Nordosten des Landes, nahe der Grenze zu Kasachstan. 30 hoch motivierte junge Menschen aus den Dörfern nahmen teil.

Wie und wo?
Auf einem Versuchsgut der Jugend-Union mit Ausblick auf die künftigen Anbauflächen. Die Jugend-Union ist eine vom Staat stark geförderte Organisation in Usbekistan, der alle Jugendlichen im Alter von 18 bis zu 30 Jahren angehören. In vielen Projekten landesweit sollen sie auf das Arbeitsleben und die Unterstützung der gesellschaftlichen Entwicklung vorbereitet werden. Los ging es aufgrund der traditionell ausgeprägten sommerlichen Hitze in Usbekistan jeweils morgens bereits um 08.00 Uhr; aus dem gleichen Grunde musste auch gegen 12 Uhr mittags jeweils Schluss gemacht werden. Alle verbrachten die meiste Zeit im Stehen – das brachte im Gegenteil Bewegung in die Sache.

Das Thema des Seminars: „Erstellung eines Businessplanes sowie Einsatz im Gespräch mit der Bank zur Beantragung eines Agrarkredites“ wurde in drei Teilen bearbeitet. Am ersten Vormittag wurde auf interaktive Weise die Erstellung eines Businessplanes erarbeitet. Danach erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen neutralen Vordruck und die Hausaufgabe, bis zum nächsten Morgen einen ganz persönlichen Businessplan zu erstellen. Am zweiten Vormittag konnten alle bei der Bearbeitung aufgetauchten Fragen und Probleme diskutiert werden. Danach wurde die sensible Situation eines Bankgespräches zur Kreditbeantragung besprochen. Zum Abschluss wurden solche Bankgespräche mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern simuliert.

Zur Durchführung wurden Flipcharts und die Trainingsmaterialien der Sparkassenstiftung eingesetzt. So ergab alles in der freien Natur ein buntes Bild, gute Stimmung bei den Teilnehmenden und einen erfolgreichen Seminarverlauf. Auf Grund dieser sehr positiven Erfahrungen wird dieses Seminar-Konzept nun in Usbekistan in weiteren ländlichen Bezirken verstärkt eingesetzt. 

 

Christina Heuft / Mathias Wangler

 

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