06.01.2020

15 Jahre Sparkassen Wiederaufbaufonds für Südasien

Am 26. Dezember 2019 jährte sich der Tsunami in Südasien zum 15. Mal. Der Tsunami, der durch ein Seebeben der Stärke 9 ausgelöst wurde, hatte am Morgen des 2. Weihnachtstages im Jahr 2004 mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet; darunter 132.000 in der indonesischen Provinz Aceh und 31.000 in Sri Lanka. In der Region Aceh entstand ein geschätzter Schaden von 4,5 Milliarden USD, 406.000 Menschen wurden obdachlos.


Die „Clinton Moschee“ heißt eigentlich Rahmatullah Moschee und wurde im Februar 2005 – also kurz nach der Katastrophe - von Bill Clinton besucht. Sie war das einzige Gebäude im 7.000 Einwohner Dorf Lampuuk, das den Tsunamiwellen standhalten konnte und somit einige Leben rettete. In den Holzkästen befanden sich Baumsetzlinge zur Wiederaufforstung.

Das „Elektrizitätswerk“ für Banda Aceh wurde durch den Tsunami drei Kilometer ins Stadtinnere geschleudert. Das Schiff ankerte vor der Küste und war tausende Tonnen schwer, da es mit Öl für die Stromerzeugung beladen war. Es ist heute eine Gedenkstätte in Banda Aceh. Quelle: Michael Kühl, Sparkassenstiftung Indonesien

Die Sparkassen-Finanzgruppe spendete damals 15 Millionen Euro, um den Wiederaufbau in Sri Lanka und der indonesischen Provinz Aceh zu unterstützen. Im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Unternehmen, die in der Regel an Hilfsorganisationen spendeten, implementierte die verbundeigene Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V. die Hilfsleistungen. Es ging darum, die Betroffenen langfristig zu unterstützen und nicht alleine zu lassen, sobald sich die öffentliche Aufmerksamkeit anderen Themen zugewandt hat.

Mit Hilfe der Sparkassenstiftung wurde in den betroffenen Regionen in Indonesien und Sri Lanka Mikrokreditprogramme aufgesetzt, in deren Fokus Kleinunternehmer standen, die sich mit Beträgen zwischen 500 und 3.500 Euro eine neue Existenz aufbauen wollten.

Rückblick auf das Projekt in Indonesien

In Banda-Aceh/Indonesien wurden Mittel für eine vierjährige Beratung der staatlichen regionalen Entwicklungsbank, der BPD Aceh, zur Verfügung gestellt, um gemeinsam mit Indonesien und der Weltgemeinschaft zum Wiederaufbau beizutragen.

Als “Anschubfinanzierung“ wurden aus dem Fonds Refinanzierungsmittel für die Mikro-kredite in Höhe von zwei Millionen bereitgestellt, die nach zwei Jahren verzinslich und in Raten an den DSGV zurückgezahlt wurden. Es wurde ein cashflow-basierter Mikrokredit implementiert, der anfangs nur den vom Tsunami betroffenen Klein(st)unternehmern zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Geschäfte und Produktionsstätten zugänglich war und später als marktgerechter Mikrokredit für alle Klein(st)unternehmern der Provinz in das reguläre Produktportfolio der Bank übernommen wurde.

Damit wurde neben der effektiven Unterstützung des Wiederaufbaus ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht. Die Bank BPD Aceh war die erste von insgesamt 26 regionalen Entwicklungsbanken, die über einen zielgruppengerechten Mikrokredit verfügte, der auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Klein(st)unternehmens abstellte. Gemeinsam mit der ADB (Asian Development Bank) wurden gut 100 Mikrokreditsachbearbeiter der Bank in Theorie und Praxis ausgebildet, wobei die mehrwöchige praktische Ausbildung qualifizierte externe Mentoren durchführten.

Während der Projektlaufzeit wurde knapp 2.000 Klein(st)unternehmern bei der Wiederherstellung ihrer Lebensgrundlage und dem Überwinden von Traumata geholfen. Insgesamt wurden durch die Revolvierung der Refinanzierungsmittel der S-Finanzgruppe Kredite im Volumen von € 3,6 Mio. valutiert. Aber dies war noch nicht das Ende! Aus dem erfolgreichen Projekt in Aceh ergab sich ab 2010 ein vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziertes Projekt, um der indonesischen Bevölkerung den Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen über die 26 BPDs zu ermöglichen.

Dieses Projekt endet nach fast 10 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit mit der Sparkassenstiftung im März 2020. Es wurden rund 70.000 Mikrokredite im Volumen von 130 Millionen Euro an Klein(st)unternehmer im städtischen und ländlichen Raum vergeben und damit ein großer Beitrag zur finanziellen Inklusion der Bevölkerung in Indonesien geleistet.

 

Von Christina Heuft und Michael Kühl
Sparkassenstiftung für internationale Kooperation Bonn/Banda Aceh, Indonesien

 

 

 


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