13.10.2017

Finanz-Fachwissen in Fernost gefragt

Die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen sowie der Nutzen von Fintechs für Sparkassen und ihre Kunden stehen im Fokus eines zweiwöchigen Besuchsprogramms, in dessen Rahmen sich Banker des chinesischen Bankenverbunds Zhejiang Rural Credit Union mit Experten aus der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe austauschen.


Die Vertreter des regionalen Bankenverbunds ZJRCU und SFP-Geschäftsführer Tobias Schlösser bei einer Präsentation in den Berliner Räumen des Sparkassen-Finanzportals.

China dürfte angesichts seiner dynamischen Entwicklung einer der Hauptakteure sein, der die Finanzmärkte in den nächsten Jahren prägen wird. Die chinesischen Regulierungsbehörden verfolgen umsichtige und schrittweise Reformen und werden dies aller Voraussicht nach weiterhin tun. Die Zhejiang Rural Credit Union (ZJRCU) ist ein Bankenverbund in der gleichnamigen Provinz mit Hauptsitz in Hang­zhou. Die erste ländliche Kreditgenossenschaft der Zhejiang Provinz wurde im Oktober 1952 gegründet. Am 18. April 2004 wurde die ZJRCU gegründet, um alle ländlichen Kreditgenossenschaften in Zhejiang zu verwalten und auch entsprechende Dienstleistungen anzubieten. In insgesamt 4200 Filialen bedienen die mehr als 50 000 Mitarbeiter vornehmlich den ländlichen Raum.

Strukturelle Parallelen

Der Verbund ist den deutschen Sparkassen trotz anderer Rechtsform recht ähnlich: Es gibt die Zusammenarbeit in einem Verbund, der Fokus liegt auf Finanzdienstleistungen für alle, und die Institute sind regional verankert. Auch deshalb strebt der Bankenverbund eine Zusammenarbeit mit der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation an. Von besonderem Interesse sind dabei Themen wie Finanzdienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen sowie der Aufbau zentraler Servicegesellschaften, beispielsweise für eine gemeinsame IT-Infrastruktur oder eine Trainingsakademie. Die Sparkassenstiftung arbeitet bereits seit mehr als zehn Jahren mit chinesischen Projektpartnern zusammen und hat diese in der Vergangenheit meist zu Themen wie der Optimierung des Kreditgeschäfts oder der Weiterbildung beraten. Derzeit werden sowohl von deutscher als auch von chinesischer Seite die rechtlichen Möglichkeiten einer weiteren Projektkooperation mit der ZJRCU in China geprüft.

Im Rahmen des jüngsten Wissensaustauschs in Deutschland gaben der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, verschiedene Häuser wie die Berliner Sparkasse, die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam und die Sparkasse Märkisch-Oderland, die Sparkassen Rating- und Risikosysteme und das Sparkassen-Finanzportal (SFP) den Besuchern Einblicke in die Sparkassenfamilie. Gemeinsam diskutierte man aktuelle Herausforderungen. Fintechs und ihre Zusammenarbeit mit Banken standen beim Treffen mit dem SFP in Berlin im Vordergrund. Tobias Schlösser, einer der Geschäftsführer und ebenfalls chinaerfahren, stellte das Unternehmen vor und fasste die aktuelle Situation in Deutschland zusammen: "Fintechs wecken Neugier und sind Ansporn zugleich." Vorgestellt wurden selbstentwickelten Innovationen und eigene Kooperationen mit verschiedenen Fintechs.

In der Diskussion mit den chinesischen Gästen wurde deutlich, dass in China insbesondere Nichtbanken digitale Finanzdienstleistungen wie etwa Alipay und Wechat stellen, die oftmals bereits weiter entwickelt sind als in Deutschland und eine hohe Nutzungsrate aufweisen. Regulatorik und Vorgaben zum Datenschutz sind in China und Deutschland sehr unterschiedlich. Beim Thema digitale Finanzdienstleistungen haben Sparkassen hierzulande die Nase vorn, da sie auf der Nähe zum Kunden und sein Vertrauen aufbauen können – und dies auch aus chinesischer Perspektive "derzeit exzellent nutzen", wie der Vorstand einer der teilnehmenden Verbundbanken aus China zusammenfasste.

 

Der Beitrag ist auch in der Sparkassenzeitung Online am 12.10.2017 erschienen.

 

 

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